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Zum Titelbild:
 
Karl-Werner, geboren 1928

„Ich bin seit 1992 wohnsitzlos und lebe überall, jetzt bin ich gerade in Rastatt. Anlass dafür war der Tod meiner Frau, sie ist an Krebs gestorben. Früher habe ich mit meiner Frau in Baden-Baden gewohnt. Man kann das Leben nicht erzwingen, wenn der Herrgott nicht will.
Der glücklichste Moment in meinem Leben war, als ich mit meinem Pferd Ronny den großen Wirtschaftspreis beim Rennen in Iffezheim gewonnen habe.
Der schmerzvollste Moment in meinem Leben war meine russische und rumänische Kriegsgefangenschaft. Daran will ich mich gar nicht mehr erinnern. Das Schlimmste war, wenn wir Hunger hatten und nach unseren Müttern riefen und die vielen Schläge. Heute wird so viel weggeworfen.
Mein nächstes Ziel ist der nächste Montag. Ich bin gerade in ärztlicher Behandlung. Dann soll ich wiederkommen. Die Ärztin ist gut.“

Das Portrait von Karl-Werner mit seinem Kurzlebenslauf ist Teil einer Ausstellung, die mit freundlicher Genehmigung des Lambertusverlages noch bis zum 31. August in der offenen Klingaer Kirche zu sehen ist. Wohnungslose Menschen stellen sich vor. Clemens Janosch, ein Caritas-Mitarbeiter aus Rastatt, zu dem die „ungewohnten“ Männer und Frauen Vertrauen gefasst haben, hat sie fotografisch porträtiert und ihre Lebensläufe erstellt. Ihm gilt mein besonderer Dank.

Die Bilder mit Augenkontakt und die Kurz-Lebensläufe sind berührend. Wer sich auf sie einlässt, wird die Kirche nicht herzschmerzfrei verlassen und dennoch gestärkt sein. Werner Lämmerhirt sang dazu in seinem Obdachlosenblues:
„Hey Kumpel, wo du jetzt bist, könnte ich doch morgen schon sein. So ist es mir fast schon eine Pflicht, dir ab und zu, ab und zu mal nah zu sein.“
Mitmenschlichkeit ist ein kostbares Gut und der Preis dafür steigt.

Also: Bleiben Sie mitfühlend mit sich selbst, mit anderen, mit allen.



Im Namen aller Mitarbeiter
Ihr Pfarrer
Norbert George

Mein Haus sagte zu mir:
„Verlass mich nicht, denn hier wohnt deine Vergangenheit.“
Und die Straße sagte zur mir:
„Komm und folge mir, denn ich bin deine Zukunft.“
Und ich sagte zu beiden, zu meinem Haus und zu der Straße:
„Ich habe weder Vergangenheit noch habe ich Zukunft. Wenn ich hier bleibe, ist ein Gehen in meinem Verweilen, und wenn ich gehe, ist ein Verweilen in meinem Gang.“
Kahlil Gibran