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Aktuelles aus Naunhof, Klinga und Erdmannshain

Können Sie das Titelbild deuten? Es ist ein kleines Kunstwerk aus Filz, zu verwenden als gestaltete Mitte in Gruppen, die im Kreis sitzen um zu reden, zu beten, zu singen, zu meditieren. Ich sehe in dieser „gefilzten Mitte“ die Verkörperung des Monatsspruches für den Juni aus dem Hohenlied der Liebe: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.“
Die Liebe, unsere Wesensmitte, scheint nach der verkündeten Zeitenwende nicht mehr Thema zu sein. Krieg ist in aller Munde. Er ist in Köpfe und Herzen eingezogen. „Tapferes Kämpfen“ und „Siegen“ ist angesagt. Der Bruderkrieg in der Ukraine, in der Christen Christen morden, verhärtet das Denken und Fühlen. Er lässt viele in überholt geglaubte, archaische Verhaltensmuster zurückfallen. Andere macht er ratlos und hilflos. Es heißt, die Lieferung von Waffen an die Ukraine sei Nächstenliebe. Die von Jesus gepredigte und gelebte Feindesliebe erscheint absurd angesichts der Bomben und Raketen auf Städte und Dörfer. Dem russischen Militär sind Menschenleben offensichtlich nichts wert. Auf der anderen Seite gibt es Ukrainer, die sagen, sie wollen mit den Tieren (gemeint sind getötete russische Soldaten) ihre Felder düngen. Menschenskinder, was ist los mit euch? Wo soll das hinführen? Wo ist der Ausweg aus dem Teufelskreis von Hass und Gegenhass? Wo ist die Liebe geblieben? Hat sie ausgedient?
„Die Liebe ist lächerlich. Sie reitet auf einem Esel über ausgebreitete Kleider. Man soll sie hochleben lassen, mit Dornen krönen und kurzen Prozess mit ihr machen. Sie sucht um Asyl nach in den Mündungen unserer Gewehre. Eine Klagesache von Weltruf. Immer noch schwebt das Verfahren. Sie stellt sich nicht ungebärdig sondern quer zur Routine der Machthaber. Die Behauptung, sie ließe sich nicht erbittern, hat sie im Selbstversuch eindrücklich bestätigt. Sie ballt nicht die Faust. Sie steigt nicht herab. Sie hilft sich nicht selbst. Sie dient als Kugelfang. Nun aber bleibt Glaube – Liebe – Hoffnung, diese drei. Aber die Liebe ist das schwächste Glied der Kette, die Stelle, an welcher der Teufelskreis bricht.“ (Eva Zeller nach 1. Korinther 13)
Deswegen: Nehmt die Liebe in eure Mitte, opfert sie nicht auf dem Altar des Krieges. Nehmt sie in eure Herzen. Fühlt sie. Erteilt ihr das Wort und nehmt sie in die Hand. Projektiert keine Feindbilder. Seht in allen die Brüder und Schwestern, die Jesus so wertvoll sind, dass er sein Leben für sie gibt. Seine Liebe ist stark wie der Tod. Sie ist unsere einzige Sicherheit, das einzige, das Bestand hat, auch wenn wir uns mit ihr ohnmächtig vorkommen. Mit eurer Ohnmacht seid ihr in bester Gesellschaft. Der lebendige Gott erweist seine Allmacht in der Ohnmacht der Liebe.

Ihr/Euer Norbert George, Pfarrer.