Aktuelles aus Naunhof, Klinga und Erdmannshain

Nach einem Jahr ohne Osterfeiern in der Kirche wird auch am Heiligen Abend vieles anders sein. Weihnachten ist das Fest des Friedens, der von Gott kommt und in die Herzen der Menschen einzieht. Manche Politiker sprechen davon, dass wir im Krieg sind, im Krieg gegen ein Virus. Dem hat sich alles unterzuordnen. Die täglichen Nachrichten haben tatsächlich etwas von Kriegsbericht-erstattung. Die ersehnte Erlösung, quasi „den Retter“, erwarten viele von einem Impfserum. Wenn ich das mit einer gewissen Ironie schreibe, heißt das nicht, dass ich die Rettung von Menschenleben und den Schutz von Gefährdeten nicht ernst nehme. Nein. Ich sorge für die Einhaltung aller geforderten Hygienemaßnahmen. Deswegen wird das Weihnachtsfest diesmal auch ganz anders gefeiert. Aber ich erlaube mir, unsere Sicht auf die Welt, unsere Welt-Anschauung zu hinterfragen. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und die Folge von Krieg ist nicht Heil sondern Unheil. Die Kreuzzüge aus der Geschichte haben es bewiesen, auch die „Kreuzzüge gegen das Böse“ der jüngeren Vergangenheit. Sind wir Christen innerlich von derselben alten Aus-rottungsmentalität infiziert wie andere? Meinen wir, das Böse jetzt vernichtbar vor uns zu haben?

Worauf einer den Fokus seiner Aufmerksamkeit richtet, das wird groß. Nicht nur in seiner Wahrnehmung. Worauf einer seine ganze Aufmerksamkeit richtet, das stärkt er zugleich und anderes verliert für ihn an Bedeutung, mag es noch so bedeutend sein. Deswegen bitte ich Sie: Lassen Sie sich ihren inneren Aufmerksamkeitsfokus durch nichts fremdbestimmen. Lassen Sie ihr Herz nicht ängstlich verhärten und verengen. „Euer Herz erschrecke nicht!“ sagt Jesus (Joh. 14,1). Wann versank der mutige Petrus im Meer? Genau in dem Moment, als er seinen Blick, seinen Fokus weg von Jesus, hin auf die wilden Wasserwogen richtete (Mt. 14). Trauen wir Gott zu, dass er uns in allem, selbst in einem gefährlichen Virus begegnen kann! Dass hinter allem ein tieferer, wegweisender Sinn zu finden ist, auch hinter dem was uns gerade plagt!

Wir feiern das große Fest des Friedens, der von Gott kommt und nicht von dieser Welt ist. In diesem Jahr nicht mit einem Krippenspiel, dafür an Hirtenfeuern, die draußen vor der Kirche brennen werden. Von dort wird jede und jeder das Friedenslicht von Bethlehem mit nach Hause nehmen können.

Ich wünsche Ihnen eine aus dem inneren Frieden heraus geleitete Adventszeit, herzensfrohe Weihnachten und ein segengefülltes Neues Jahr.

Ihr Pfarrer
Norbert George

PS: „Wenn du keine Sterne siehst, zünde ein Feuer an!“