Aktuelles aus Naunhof, Klinga und Erdmannshain

Liebe Leserinnen und Leser,

unser Titelbild zeigt, dass das Kirchspiel Muldental auf Ebenen im Zusammenwachsen begriffen ist, die wir bisher noch nie bewusst wahrgenommen haben. Der zweitälteste Schleiereulen-Junge (unteres Bild in der Mitte), der im vergangenen Jahr im Eulenkasten der Klingaer Kirche aus dem Ei geschlüpft ist und dort im Beisein begeisterter Naturfreunde beringt wurde, ist in diesem Jahr bereits liebevoll umschnäbelter Ehemann und stolzer Eulenfamilien-Vater mit „Wohnsitz“ in der Otterwischer Kirche. Der scharfe Blick der Kamera auf seinen Ring macht diese Erkenntnis möglich. Bleibt zu hoffen, dass der in beiden Kirchen in Form von Eulen-Eiern zahlreiche Nachwuchs gesegnet sein möge.

Im Blick auf das Kirchspiel mag mancher schon gedacht haben: „Was für ein Ei haben wir uns da gelegt!“ Aber wir sind auf einem guten Weg. Und wenn es auf diesem Weg am Anfang hier und da noch etwas „ruckelt“ zeigt das nur, dass es voran geht. Die mündlich und schriftlich eingegangenen Rückmeldungen auf unseren ersten gemeinsamen Gemeindebrief waren alle positiver Natur. Möge das weitere Zusammenwachsen gesegnet sein. Eine Geschichte von Paolo Coelho mag dazu ein Ideengeber sein:

„Ein Junge sah zu, wie die Großmutter einen Brief schrieb. Irgendwann fragte er: “Schreibst du eine Geschichte? Vielleicht sogar über mich?” Die Großmutter hielt blickte auf, mit einem Lächeln sagte sie: “Es stimmt, ich schreibe über dich. Aber wichtiger als das, was ich schreibe, ist der Bleistift hier. Wenn du groß bist, musst du so werden wie der Bleistift.” Der Junge sah den Bleistift mit zusammengezogenen Augenbrauen an. “Der ist doch ein ganz normaler Bleistift!” “Es kommt darauf an! Der Bleistift hat fünf Eigenschaften. Wenn du es schaffst, alle 5 anzunehmen, dann gelingt dir dein ganzes Leben!“

Die erste Eigenschaft: Du kannst die tollsten Sachen machen, aber nie vergessen, dass es eine Hand gibt, die dich lenkt und leitet. Meistens merkst du es gar nicht, aber es ist so. Diese Hand nennen wir Gott. Ohne ihn kannst du garnichts tun – wie der Bleistift… Die zweite Eigenschaft: Manchmal muss ich Pause machen und den Spitzer rausholen. Dem Stift gefällt das bestimmt nicht. Er wird immer kürzer dabei. Aber hinterher ist er immer wieder spitz und schreibt viel besser. Es gibt Dinge im Leben, die tun dir weh, und sie sind trotzdem wichtig und richtig. Wenn es nicht so wäre, wäre es kein Leben. Die dritte Eigenschaft: Damit Fehler ausgebessert werden können, hat der Bleistift am Ende einen Radiergummi. Du musst lernen: Korrigieren ist nichts Schlimmes, sondern etwas Wichtiges und Wertvolles. Fehler machen ist nicht schlimm. Fehler nicht verbessern ist schlimm.

Die vierte Eigenschaft: Das Allerwichtigste beim Bleistift ist nicht das Holz oder die Farbe außen, das wichtigste ist die Mine innen drin… Es ist zwar gut, wenn du nicht liederlich rumläufst, noch wichtiger ist, auf das zu achten, was in dir vorgeht, auf deine Seele. Alle pflegen ihre Haare, warum nicht auch die Seele? Auf die Seele kommt es an.

Die fünfte Eigenschaft: Der Bleistift hinterlässt immer eine Spur. Sonst könnte ich gar nicht schreiben. Wenn er ganz kurz geworden ist, ist seine Mine nicht weg, es sind lauter Worte und Sätze daraus geworden. Alles, was du im Leben machst, egal was, es hinterlässt Spuren. Wenn dir das klar ist, dann lebst du richtig gut. Dann bist du richtig erwachsen.

Der Junge dachte eine Weile nach, dann sagte er: Hast du einen Bleistift für mich? Habe ich. Sagte die Großmutter. Er nahm ihn und er begann zu malen. Und sein Bleistift hinterließ eine unübersehbare Spur auf dem weißen Blatt Papier.

Möge es uns im Miteinander gelingen, auf gesegneten Wegen sichtbare und wegweisende Spuren zu hinterlassen!

Ihr Norbert George, Pfarrer im Seelsorgebereich Naunhof, Klinga, Ammelshain und Erdmannshain.