Geistlicher Impuls
Foto | Der ungläubige Thomas
Glasfenster
Jesus spricht zu Thomas
Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Johannes 20,29 Kaum zu glauben, was alles gerade in der Welt passiert. Kaum zu glauben, was auch zwischen uns und in unserem Land passiert. Unglaublich geradezu.
Und hat dazu unser Glaube etwas zu sagen? Gibt es eine Antwort, die für alle trägt? Die einen fragen, ob man noch in Kirche sein kann und die anderen verlassen sie, stillschweigend. Gibt es noch Hoffnung? Worauf soll man denn jetzt noch vertrauen?!
Die Zeichen stehen auf Umbruch, auch in der Kirche.
Wer hätte da nicht gern einen sichtbaren Grund, etwas Handhabbares, Solides. Etwas, auf das man sich verlassen kann. Nicht nur Fragen.
Die Zeichen stehen auf Umbruch, auch im Kirchenjahr.
Passion, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten weisen den Weg in den Aufbruch. Halten wir das aus? Gerade jetzt? Gott ist ein Gott der Überraschungen. Als am Karfreitag alles aus schien, als man nur noch die Hoffnungen begraben konnte: Wer hätte da von den Jüngern, von dem gesamten Freundeskreis um Jesus geglaubt, dass es eine andere Form von Gemeinschaft geben kann? Dass es Hoffnung gibt? Thomas sicher nicht.
Und ich? Und Sie?
Zu glauben, dass Gott mehr Lösungen für uns und unsere Welt hat, das ist christliche Grundhaltung: Dies festzuhalten, auch wenn man nicht weiß, wie das für die nächste Zeit für unsere Gemeinden aussehen kann. Darauf kann es ankommen. Und darüber reden, streiten, diskutieren. Das gehört zum Glauben. Zweifel und Nichtwissen, Unsicherheit und Trauer inbegriffen. Selig der Mensch, sagt Jesus zu Thomas, der sich auf dieses Wagnis einlässt. Das haben Menschen getan. Immer wieder. Mit vielen Abwegen und Umwegen. Sie haben sich, wie Thomas, nicht damit zufriedengegeben, dass andere ihnen etwas erzählt haben. Sie suchten nach eigenen Erfahrungen. Und aus ihren Erfahrungen heraus fanden sie Wege, die begehbar waren, wenn auch holprig und häufig mitten durch unerforschtes (Lebens-)Land.
Die Zeichen stehen auf Umbruch. Wir sind eingeladen, in den nächsten Wochen und Monaten auf Texte zu lauschen und sie zu bedenken, die unserem Umbruch hier und heute einen Grund zum Vertrauen und eine Basis der Hoffnung geben können. Nicht, weil wir wüssten, wie Glaube morgen aussehen wird, sondern weil die Sehnsucht nach einem guten, einem geheilten Leben für alle zum Christsein gehört. Und sich diese Sehnsucht zwischen der Katastrophe des Karfreitags, dem Jubel des Oster- morgens und dem Staunen des Pfingstfestes vollzieht.
Bettine Reichelt