Aktuelles aus Naunhof, Klinga und Erdmannshain

Nur fünfzehn Gottesdienst-Teilnehmer waren erlaubt, als Elisabeth Fichtner, unsere Vikarin, sich auf ihren Examens-Gottesdienst für den 10. Mai in der Stadtkirche vorbereitete. Wir mussten sogar froh sein, dass der Gottesdienst überhaupt genehmigt wurde. Wie lässt sich unter solchen Bedingungen Gottesdienst ohne Tristesse feiern? Birgit Winter wusste Rat. Sie kreierte kurzerhand mit viel künstlerischem Geschick eine ganze Schar farbenfrohe, Corona resistente Gottesdienst-Besucher und platzierte sie im Kirchenschiff. Seitdem belebt diese fröhliche Gesellschaft unsere Stadtkirche und hilft gleichzeitig, die weiterhin nötigen Abstände in den Kirchenbänken einzuhalten. Der Examensgottesdienst war übrigens sehr schön. Inzwischen dürfen bereits 40 Personen im Kirchenschiff Platz nehmen, auch die Emporen dürfen wiederbesetzt werden – alles bei Einhaltung des 1,5 Meter-Sicherheitsabstandes. In die Dankbarkeit, dass die befürchtete Überlastung des Gesundheitswesens verhindert werden konnte, mischt sich die Ernüchterung, wie leicht uns unsere Lebensgewohnheiten verloren gehen können, quasi im Handumdrehen ist in Frage gestellt, was wir lieben und was uns trägt. Können wir auf Dauer leben, ohne uns die Hände zu reichen? Ohne uns zu umarmen? Ohne ein Lächeln zu zeigen? Allgegenwärtig in Furcht vor einer Vireninfektion? Wird uns die Furcht vor dem Virus auf Dauer begleiten? Wo liegt die Grenze zwischen Freiheit und Fahrlässigkeit? Die ganze Gesellschaft, eigentlich die ganze Menschheit ist plötzlich auf der Suche nach angemessenen, dem Leben dienenden Verhaltensmöglichkeiten. Panik und Angst sind schlechte Ratgeber. Besonnenheit und innere Kraft sind gefragt. „Durch Umkehr und Ruhe würdet ihre gerettet, durch Stille sein und Vertrauen entstünde eure Stärke, aber ihr wollt nicht.“ Mit bitteren Worten resümierte der Prophet Jesaja mitten in einer krassen Bedrohung des Volkes die Lage. Der Aktionismus, den die Menschen betrieben, machte alles noch schlimmer. Das könnte auch heute leicht passieren. Was hilft gegen Aktionismus und Panik, Ohnmachtsgefühl und Niedergeschlagenheit? Ein Gang in die Stille der Kirche wirkt bereits Wunder. Die Sprache, die eine einzige, still brennende Kerze spricht, lässt den verloren gewähnten inneren Frieden wiederauftauchen. Du musst ihm nur Raum geben. Das kann mitten in der Woche sein. Unsere täglich geöffneten Kirchen laden Sie dazu ein. Am Mittwoch, dem 10. Juni, 18:00 Uhr können Sie nach langer Pause das erste kleine Abendkonzert mit Cornelia Schneider an der Orgel erleben.
Am Mittwoch, dem 17. Juni 18:00 Uhr eine Lesung aus Jürgen Ebachs „Schrift-Stücke“. Ich erlaube mir, aus dieser Fundgrube für alle, die Freude an der Bibel und daran haben, sich durch einen klugen Gedanken verblüffen zu lassen, vorzulesen. Bleiben Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Norbert George

PS:
„Wann war das letzte Mal, wo du etwas zum ersten Mal gemacht hast?“