Aktuelles aus Naunhof, Klinga und Erdmannshain

Liebe Gemeinden, liebe Leserinnen und Leser,

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr. Sacharja 2,4

Es kann einem die Freude schon im Halse stecken bleiben in diesen Tagen. Da hatte man im Oktober gerade ein wenig aufgeatmet. Es gab so etwas wie Sicherheit und Hoffnung. Und nun? Veranstaltungen werden abgesagt, Feiern verschoben. Und wie das Jahr enden wird und das neue beginnt, das ist noch völlig unklar. Wie soll man denn in so einer Zeit den Advent beginnen – und gar Weihnachten feiern? Wie heiter bleiben und gelassen? Sind wir nicht alle zu müde dazu? Trotz unserer schönen Wohnungen, der wunderbaren Kirchen, der Wälder und Seen ringsherum. Es ist als ob das alles nicht genügt, einem den Mut zu geben, von den alltäglichen Nachrichten einmal abzulassen.

Wo findet man noch Freude in dieser Zeit? Ich erinnere mich jetzt oft an den Besuch einer Theatergruppe aus Kenia. Sie besuchten Deutschland und eine der Schulen, in denen ich unterrichte. Sie erzählten von ihrem Leben, das so anders ist als unseres hier. Einige von ihnen lebten im Slum, ohne Wasseranschluss unter schwierigsten Bedingungen. Die deutschen Schüler waren bewegt und erschüttert. Wie kann man denn da noch so fröhlich sein und lachen? Denn die Kenianer strahlten eine intensive Lebensfreude aus. Wie also? Die Jugendlichen aus Kenia sagten: Indem man lacht und tanzt. Und dann begannen sie mit uns zu tanzen. Die nächsten beiden Stunden waren vermutlich die anstrengendsten Stunden Religionsunterricht, die ich je erlebt habe. Eher Sport als Tanz. Und ein Lachen, das durch den ganzen Körper pulste.

Wir lernten: Es kommt darauf an, das Lachen in uns wohnen zu lassen – ganz unabhängig davon, wie die äußeren Bedingungen sind.

Könnten wir Gott so bei uns wohnen lassen? Wie dieses Lachen, diese Lebensfreude? Gott tanzen an einem trüben Tag. Ihm singen auf dem Weg im Wald, beim Laufen durch den Schnee, auf dem Feld, beim Füttern der Hühner. Oder beim Entzünden der Kerzen am Adventskranz. Ihn bei uns sein lassen wie das erste Lächeln eines Neugeborenen. Gott selbst möchte so bei uns sein. Und er lädt dazu ein, sich dieser Freude der Advents- und Weihnachtszeit jedes Jahr zu öffnen, gerade auch in diesem. Wir sind eingeladen, sie neu zu entdecken. Und es könnte sein, dass sie uns tiefer ergreift als je zuvor.

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt, Seelsorgebereich Pomßen-Belgershain/Köhra